START FÜR NS-DOKUMENTATION IN VOGELSANG IP
DURCH GESCHICHTSVERMITTLUNG AUFKLÄREN

Die vogelsang ip gemeinnützige GmbH präsentierte am Montag, 9. Mai 2011 gemeinsam mit Vertretern des Wissenschaftlichen Projektbeirats das Wissenschafts- und das Gestaltungsteam zur Erarbeitung der NS-Dokumentation Vogelsang.


Die für die NS-Dokumentation Vogelsang verantwortlichen Teams präsentiert die vogelsang ip gemeinnützige GmbH erstmals der Öffentlichkeit.
 

Für die wissenschaftlichen Leistungen wurde ein Team um Professor Edgar Wolfrum vom der Universität Heidelberg bestellt, für die Gestaltung ein Team um Nina Holsten und Ika Gerrard von den Graphischen Werkstätten Feldstraße Hamburg sowie um Charlotte Kaiser vom Büro Kaiser Matthies Berlin. Sie gewannen das EU-weite Verfahren. Damit sind die fachlichen Weichen für die Planungen und die Umsetzung dieses mit EU-, Bundes- und Landesmitteln geförderten Projekts gestellt. 3 Millionen Euro umfasst das von der vogelsang ip gemeinnützige GmbH getragene Projekt.

„Mit der NS-Dokumentation werden wir unserem Kernauftrag in vogelsang ip gerecht. Wir übernehmen damit zentrale Verantwortung für den Erinnerungs- und Lernort Vogelsang“, erklärten Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Poth, die Vertreterin des Hauptgesellschafters Landschaftsverband Rheinland, LVR-Dezernentin Milena Karabaic und Geschäftsführer Albert Moritz gemeinsam.

Die Ankerausstellung wird 2014 auf zwei Etagen im Westflügel des Forums eröffnet. Sie erstreckt sich auf zirka 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Die „Burgschänke“ und der „Kultraum“ werden als gesonderte „Exponaträume“ des Gebäude-Komplexes der ehemaligen NS-„Ordensburg“ präsentiert. Zusätzlich werden im Gelände mehrere Informationspunkte das dezentrale Ausstellungskonzept ergänzen.

„Wir wollen den Besucherinnen und Besuchern einen anschaulichen Zugang zum historischen Ort Vogelsang schaffen und diesen mit der Geschichte des Nationalsozialismus verknüpfen“, unterstrich Professor Edgar Wolfrum, Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der Universität Heidelberg, die Intention der Ausstellung. Hierfür werden „Biografien aus Vogelsang“, konkrete „Praktiken im Lebensalltag vor Ort“, aber auch die „noch heute sichtbaren Spuren in Architektur und Landschaft“ die thematischen Schwerpunkte bilden.

Grundsätzlich solle zudem der „nationalsozialistische Gestaltungswahn“ dargestellt werden. Dazu gehöre der Anspruch, „Natur und Technik zu beherrschen, eine faschistische Kultur und Gesellschaft zu schaffen sowie den Menschen nach der nationalsozialistischen Ideologie zu formen.“ Dies könne am Beispiel Vogelsangs besonders eindrücklich gezeigt werden.

Das Team setzt sich aus sechs Wissenschaftlern zusammen, darunter Professor Frank Engehausen und Privatdozent Cord Arendes. Gemeinsam hat das Team am Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften (ZEGK) ein Institut für Geschichte in der Öffentlichkeit/Public History aufgebaut. "Wir wollen Aufklärung durch Geschichte befördern und damit gesellschaftliche Orientierungsprozesse im Sinne einer aktiven Demokratiewissenschaft ermöglichen", erläuterten Engehausen und Arendes.

„Unter diesem Leitbild kann die Ausstellung neben dem Verständnis für die historische Bedeutung des Ortes übergeordnete Lerninhalte von Demokratieerziehung- und Menschenrechtsbildung vermitteln und zentraler Teil des Lernorts vogelsang ip werden“, lobte Professor Hans-Ulrich Thamer, Vorsitzender des interdisziplinär besetzten Wissenschaftlichen Projektbeirats. Dieser wurde eigens gegründet, um bei der Entwicklung der NS-Dokumentation inhaltlich und gestalterisch zu beraten. Er wird zwei Mal im Jahr tagen, die wesentlichen Entwicklungsschritte in den kommenden drei Jahren begleiten und so die Qualität der Ausstellung sichern.

Für den Transfer der inhaltlichen Arbeit des Wissenschaftsteams in die Gestaltung der Ausstellung wird das Gestaltungsteam sorgen. „Es ist uns wichtig, in der Umsetzung der Ausstellung das Handeln vor Ort und seine konkreten Folgen immer direkt miteinander zu verbinden“, beschreibt Nina Holsten erste Gedanken. Man strebe mehrere parallele Erzählebenen an, die medial unterschiedlich umgesetzt werden sollen.

Hans-Ulrich Thamer betonte die gestalterische Kompetenz der Hamburger und Berliner Agenturen. Die vielbeachtete Dauerausstellung in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme wurde unter Federführung der Graphischen Werkstätten Feldstraße Hamburg gestaltet; zurzeit entsteht eine neue Hauptausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Insbesondere das Berliner Team um Charlotte Kaiser und Katharina Matthies steht für zeitgemäße multimediale Präsentationen. Dies haben sie bereits mehrfach im Deutschen Museum München, aber auch in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora erfolgreich bewiesen.

„Es ist unser Ziel, dass wir ‚Vogelsanger’ mit den Heidelbergern, Hamburgern und Berlinern schnell zu einem Projektteam zusammenwachsen, denn nur in einem offenen und vertrauensvollen Miteinander können wir gemeinsam einen ‚großen Wurf‘ schaffen“, betonte Klaus Ring, auf Seiten von vogelsang ip gemeinsam mit Julia Schmidt wissenschaftlicher Projektleiter und Kurator für die NS-Ausstellung. „Wir wollen den Gästen nicht nur die entsprechenden Inhalte und Räumlichkeiten bieten, sondern bewusst auch ein offenes Klima schaffen, das zur Reflexion und einem Miteinander anregt“, ergänzte Julia Schmidt, die vor allem für die Verzahnung der Bildungsangebote mit der Ausstellung verantwortlich ist.

Geschäftsführer Albert Moritz strich seine Vision für den kommenden Prozess heraus: „Die Entwicklung und Präsentation der NS-Dokumentation Vogelsang verstehen wir als gesellschaftspolitische Aufgabe. Wir wollen daher gesellschaftliche und religiöse Gruppen, die sich als Betroffene oder aus Engagement mit dem NS auseinandersetzen, in den Entwicklungsprozess einbeziehen und werden aktiv auf diese Gruppen zugehen.“

„Neben den LVR-Einrichtungen ‚Gedenkstätte Abtei Brauweiler‘ und dem ‚LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen‘ im Kreis Düren benötigt das Rheinland den Lernort Vogelsang mit einer NS-Dokumentation als Angebot zur Auseinandersetzung mit seiner jüngsten Geschichte“, zeigte LVR-Dezernentin Milena Karabaic eine weitere Anforderung für die NS-Dokumentation auf. Mit ihrem erfahrenen Team, das bereits zahlreiche Museen im Rheinland betreut, werde sie stets beratend zur Seite stehen.

Die Landeszentrale für politische Bildung fördert und begleitet das Ausstellungsprojekt im Auftrag des Landes NRW. Ihr Vertreter Dr. Hans Wupper-Tewes zeigte sich angetan von dem akzentuierten Konzept: „Jetzt wird neben der Grundanforderung, die historischen Inhalte bereitzustellen, ein zukunftsweisender Ansatz für die politische Bildung im Forum Vogelsang geboten.“ Die Platzierung im Förderprogramm für die Gedenkstätten beim Bund ist für ihn Ausdruck der bundesweiten Relevanz des Projekts.

„Professor Wolfrums wissenschaftliche Expertise im Hinblick auf die Vor- und Nachgeschichte europäischer Diktaturen des 20. Jahrhunderts sichert die Einbindung der Ausstellung in den internationalen Kontext“, schloss Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Poth. Dieses Vorgehen werde dem Internationalen Platz vogelsang ip gerecht.

Zur Internetseite der beauftragten Teams:
Wissenschaftsteams www.public-history.uni-hd.de
Gestaltungsteam http://www.gw-feldstrasse.de/ und http://www.kaisermatthies.com/news/index