BESTIMMUNG: HERRENMENSCH

NS-ORDENSBURGEN
ZWISCHEN FASZINATION UND VERBRECHEN

Die Dauerausstellung lenkt erstmals den Blick auf eine relativ kleine Gruppe von jungen Männern, die von der Parteiführung auserwählt wurde, sich in den „Ordensburgen“ zur zukünftigen Führungselite der NS-Herrschaft formen zu lassen. Am Beispiel von Vogelsang wird deutlich, wie sehr die Architektur eingesetzt wurde, um Macht und Herrschaft der Partei zu dokumentieren.

Die Ordensburgen waren stets Schulungsstätten wie Bühnen der Selbstdarstellung für die Großen der NSDAP. Zugleich haftete ihnen auch etwas Unfertiges und Überstürztes an: Vieles wirkte improvisiert und von Rastlosigkeit getrieben. Dies gilt erst recht für die Ausbildungsinhalte der Lehrgänge, die permanent geändert und parteiintern kritisiert wurden.

Dennoch wurden die „Ordensjunker“, wie sie sich selbst nannten, der „Volksgemeinschaft“ als neue Elite der Partei präsentiert, und viele fühlten sich auch so. Sie glaubten, mit ihrer Berufung in die Ordensburgen einen Weg in sozialen Aufstieg und eine berufliche Karriere beschritten zu haben. Die Männergesellschaft, in die sie aufgenommen worden waren, verhieß ihnen Sicherheit und Geborgenheit in der Kameradschaft Gleichgesinnter.

Die ideologische Prägung erfolgte durch Vortragsreihen und Seminare, aber auch durch die körperliche Formung mit militärischem Drill und vielerlei Sport. Vor allem durch das Fach Rassenlehre wurde das Bild von der Überlegenheit des „arischen“ Herrenmenschen ständig verstärkt. Eine nationalsozialistische Ersatzreligion mit Riten und pathetischen Feiern ließ die Ordensjunker glauben, Anteil zu haben an der Schaffung eines Neuen Menschen der Zukunft.

Mit diesem ideologischen Hintergrund zogen die Männer von den Ordensburgen zunächst als Soldaten in den Krieg, der speziell im Osten ein Rassen- und Vernichtungskrieg wurde. In Polen, den baltischen Staaten, Weißrussland und der Ukraine wurden mehrere Hundert von ihnen dann in der Besatzungsverwaltung eingesetzt, und viele von ihnen waren dort an nationalsozialistischen Verbrechen beteiligt. Es dauerte im Übrigen sehr lange, bis sich die Nachkriegsgesellschaft und schließlich die Justiz für die einzelnen Täter zu interessieren begann.

Zum Schluss der Ausstellung bleiben Fragen, die bewusst über die NS-Geschichte hinausgreifen: Wie hätten wir gedacht und gehandelt, wären wir in eine ähnliche Zeit und Aufgabe gestellt worden? Gibt es heute vergleichbare Situationen auf der Welt? Was bedeuten uns Demokratie und Pluralität in unserer eigenen Gesellschaft?


Wissenschaftliche Erarbeitung

Vogelsang IP gemeinnützige GmbH
Klaus Ring I Julia Schaadt M.A. I Stefan Wunsch M.A. (Kuratoren)
Gabriele Harzheim M.A. I Andrea Nepomuck
Markus Steger I Iris Vasic-Engels M.A. I Sabine Weber (Mitarbeit)
Mira Huppertz I Lukas Lüder I Kim Selbach (Studentische Hilfskräfte)

Historisches Seminar der Universität Heidelberg
Prof. Dr. Edgar Wolfrum (Leitung) I Prof. Dr. Cord Arendes
Prof. Dr. Frank Engehausen I Carlos A. Haas M.A. I Miriam Koch M.A.
Nastasja Pilz M.A. I Mirjam Schnorr M.A. I Dr. Angela Siebold
Martin Stallmann M.A.

Landschaftsverband Rheinland
Dr. Eckhard Bolenz I Dr. Markus Krause

Wissenschaftlicher Projektbeirat

Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer (Vorsitz) I Dr. Dieter Bartetzko I Dr. Gudrun Brockhaus
Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld I Kirsten John-Stucke M.A. I Prof. Dr. Alfons Kenkmann
Dr. Martin Liepach I Prof. Dr. Kiran Patel I Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini I Prof. Dr. Jürgen Reulecke
Prof. Dr. Peter Romijn I Prof. Dr. Margit Szöllösi-Janze I Prof. Dr. Silke Wenk
Prof. Dr. Dorothee Wierling I Prof. Dr. Michael Wildt

Gestaltung und Medien

gwf-Ausstellungen I Konzept + Gestaltung , Hamburg:
Ika Gerrard I Nina Holsten I Arne Petersen I Simone Wörner I Michael Teßmer
(Mitarbeit: Arnd Crigee I Nadia Schrader I Christian Mull)
Matthies & Schnegg, Ausstellungs- und Kommunikationsdesign, Berlin
Katharina Matthies I Julia Schnegg mit It’s About, Berlin Charlotte Kaiser (Mitarbeit: Golnar Mehboubi Nejati I Annika Buchheister)

Licht: Zolghadri GmbH LICHTTechnikDesign, Hamburg Cornelia Zolghadri
Ausstellungsbau: barth Innenausbau KG/S.a.s. Ivo Barth I Stefan Kröll
Grafikproduktion: m.o.l.i.t.o.r. GmbH – art in motion, Berlin Hannah Opitz
Medienproduktion: Kommt noch, Berlin
Tastobjekte: Bettina Bick, Berlin

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