Einladungspostkarte zu ruiniert in transit Ausgangspunkt und gleichsam Arbeitsfolie für das Projekt „Vogelsang Intervention 2009“ im Rahmen des Seminars Center for Public Practice (CfPP) der Professorin Julia Scher (für Surveillant Architectures) an der KHM ist die größte Hinterlassenschaft des Nationalsozialismus in NRW, die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang und ihre rund 60-jährige Geschichte seit ihrer Erbauung im Jahr 1934. Das Center for Public Practice versteht gesellschaftliches Handeln als zentralen Bestandteil künstlerischer Praxis. Gesellschaftliche Verhältnisse werden immer wieder neu in Frage gestellt und einer kritischen Analyse und Kontextualisierung unterzogen.
Die Studenten bieten anhand von sehr unterschiedlichen künstlerischen Formaten einen Dialog über verschiedene Aspekte Vogelsangs an. Mit Performances, Aktionen, Modellen, Objekten, räumlichen Eingriffen, Video- und Klanginstallationen oder auch einer Bustour wird ein neuer Zugang zur Geschichte der Ordensburg als ehemalige Eliteschule der Nationalsozialisten und ihrer direkten Umgebung entwickelt. Die Interventionen sind über das Gelände der ehemaligen „Ordensburg“ und deren Innenräume verteilt und laden dazu ein, Straßen, Architektur und Landschaft neu zu sehen und darin zu verweilen.
Florian Egermann entwickelt zum Beispiel für den Vorraum zum Turmaufstieg seine Arbeit "Ortscheit", "gegen das Gewicht von Vogelsang: Ein Mobile aus halbtransparenten Trümmern.” JiHyun Park präsentiert mit „Rec“ eine Arbeit im so genannten „Kultraum“ im Turm. Dort schweben drei mit Helium gefüllte Ballons. Über Sensoren werden Bewegungen im Raum und an den Ballons erfasst, so dass sie ein künstliches Lachen auslösen. Die Arbeiten im Turm sind zugänglich am Freitag, 14.00 und 15.00 Uhr sowie, Samstag und Sonntag 11.30, 13.30 und 15.30 Uhr.
Daniel Ansorge wiederum zeigt in seinem Video “1944" die stärkste Erinnerung eines Mannes, der Vogelsang 1944 sah: "Es wurden zu diesem Zeitpunkt des Krieges auf der Ordensbug zum Frühstück immer noch drei verschiedene Sorten Brot gereicht, während die Leute in der Umgebung am verhungern waren.”
Christine S. Thon und Lars H. Beuse zeigen ihre multimediale Performance und Skulptur ":asche:". In einem mehrwöchigen Arbeitsprozess haben sie sich mit der vorgefundenen Architektur und den historischen Bedingungen des Ortes beschäftigt. Ergebnis ist eine temporäre und bespielbare Raum-in-Raum Skulptur, eine künstlerische Position, die sich ausgehend von den Bücherverboten und Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten mit der Architektur von Herrschaft, Elite, Bildung und Exil auseinandersetzt.
Eine Intervention ganz anderer Art sind die zwei artist tours "ruiniert in transit 1 und 2" der Studentin Aino Korvensyrjä. Diese beiden Bustouren versuchen eine Auseinandersetzung mit der jungen deutschen Geschichte, die ebenfalls in unmittelbarer Nähe von Vogelsang zu finden ist: durch das Anfahren und Begehen der beiden Asylbewerberheime in Kall-Golbach und Mechernich-Satzvey.
Jeder kann sich dafür anmelden und teilnehmen: Am Samstag, 17. Oktober und Sonntag 18. Oktober fahren zwei Busse zu den Ruinen von ehemaligen Asylbewerberunterkünften in der Umgebung von Vogelsang (17. Oktober Kall-Golbach; 18. Oktober Mechernich-Satzvey).
Wer am Sonntag, 18. Oktober, von Köln aus nach Vogelsang kommen möchte, sollte "ruiniert in transit 2" buchen: Die Erkundungstour startet um 11.30 Uhr an der KHM, Filzengraben 2 in Köln, über das Asylbewerberheim in Mechernich-Satzvey nach Vogelsang und bietet von dort um 18 Uhr die Rückfahrt an.
Anmeldung für beide Touren bis 15. Oktober unter presse@khm.de, Tel: 0221/ 20189-135. Es gibt 31 Plätze pro Bus. Die Fahrten werden auf Video dokumentiert.
Die beteiligten Künstler sind Daniel Ansorge, Peter Beyer, Florian Egermann, Artur Holling, Eva Holling, Aino Korvensyrjä, Theresa Krause, officinevida, Ji Hyun Park, Nicolas Pelzer, Auriel Martin Reich, Evamaria Schaller, Christine S. Thon & Lars H. Beuse, Franziska Windisch, Irena Wolf und Roshanak Zangeneh. Wer sich vorab einen Überblick zu allen Arbeiten verschaffen will, findet unter http://blog.khm.de/surveillant_architectures/?p=267 umfangreiche Informationen.
Die „Vogelsang Intervention 2009“ entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Julia Scher, Prof. Marcel Odenbach und Dr. Susanna Schoenberg (KHM), Dr. Christina Threuter und Julia Schmidt (vogelsang ip).
Los geht es am Freitag, 16. Oktober, 14 Uhr, am Ticket Office des Kinos sowie Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Alle Infos auf www.vogelsang-ip.de und www.khm.de.
2009-10-08_PM-vogelsang-ip_intervention-KHM.pdf
Timetable-Vogelsang Intervention 2009.pdf
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Pressekontakte
Björn Troll Pressesprecher, vogelsang ip gemeinnützige GmbH
cel: +49 (0) 172 58 96 146
E-Mail: bjoern.troll@vogelsang-ip.de
Dr. Juliane Kuhn, Pressesprecherin, Kunsthochschule für Medien Köln
fon: +49 (0) 221 21089-135
E-Mail: juliane.kuhn@khm.de