16.10.2009

LACHENDE BALLONS IM „KULTRAUM“ VON VOGELSANG IP: KUNST-INTERVENTION 2009 DER KHM

Eine 50 Kilo schwere Kiste voller „entarteter Bücher“ erwartete die Vertreter von vogelsang ip am Freitag, 16. Oktober, auf dem „Adlerhof“ in Vogelsang im Nationalpark Eifel. „Zu Zeiten der nationalsozialistischen Herrschaft war diese Prosaliteratur verboten“, betonten Christine S. Thon und Lars H. Beuse bei ihrer Performance „:asche:“. Sie sind zwei von 18 Studenten der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM), die das Seminar Center for Public Practice von Professor Julia Scher seit einem Jahr in und für Vogelsang entwickelten. Jetzt präsentieren sie ihre Ergebnisse bis Sonntag, 18. Oktober, 18 Uhr.

„:asche:“, Performance; v.l.n.r. Professor Julia Scher, Klaus Ring, Lars H. Beuse, Manfred Poth, Christine S. Thon
(vogelsang Intervention 2009 4k_©vogelsang ip)

 

Die Bücher hatten Thon und Beuse bei Studenten der Universität zu Köln zusammengetragen. Manfred Poth, Aufsichtsratsvorsitzender der vogelsang ip gemeinnützigen GmbH und Klaus Ring, vogelsang ip-Historiker, nahmen die Bücher an. „Diese tragen dazu bei, Vogelsang zu einem aktiven Erinnerungsort zu entwickeln“, sagte Poth. Gemeinsam mit über 40 Gästen erschlossen sich die vogelsang ip-Vertreter mit dem Kanzler der Kunsthochschule für Medien Köln, Heiner Simons, alle 16 Interventionen, die über das gesamte Vogelsang-Gelände verteilt sind.

Ein Lageplan hilft Besuchern die Objekte, Performances, Aktionen, Modelle, räumliche Eingriffe, Video- und Klanginstallationen oder auch eine Bustour zu finden, daran teilzunehmen oder in den Dialog mit den Studenten zu treten. Denn alle jungen Künstler betreuen ihre Interventionen in diesem Zeitraum. Dies entspricht dem Anspruch des Standortes vogelsang ip. „Wir sind ein Platz für den lebendigen Dialog zu dem, was jetzt ist, in der Vergangenheit war und in Zukunft passieren kann“, definierte Christina Threuter für vogelsang ip den Anspruch. Die Interventionen würden den Diskurs auf mehreren Ebenen schaffen, international und mit unterschiedlichem Zugriff auf die deutsche Geschichte.


„Rec“ von JiHyun Park, Installation im „Kultraum“ (vogelsang Intervention 2009 3k_©vogelsang ip)
 

Die Studenten stammen beispielsweise aus Südkorea wie JiHyun Park mit ihrer Installation „Rec“, die im so genannten „Kultraum“ lautes Lachen unter überdimensionalen Luftballons erschallen lässt. Die Nationalsozialisten nutzten ihn als sakralen Raum für Hochzeitszeremonien vor der überdimensionalen Holzskulptur des „neuen deutschen Menschen“. Oder die Iranerin Roshanak Zangeneh mit ihrer Arbeit „Bilder im Kopf“ in der Maske des Kinos. Sie ließ Menschen unterschiedlichsten Alters auf DinA5 Blättern den Begriff „Nation“ und „Nationalgefühl“ beschreiben. Abschließend soll ein Mosaik die deutsche Nationalflagge ergeben.

Aber auch die aus der Eifelregion stammende Studentin Irena Wolf ist mit dabei. In der Nähe der Kaserne van Dooren zog sie mit Basaltsplit eine breite „Grenzlinie“. Diese zeigte bereits deutliche Spuren Drauf- und Übertritts.

Professor Julia Scher hob hervor, dass alle diese temporären Arbeiten die Transition, den Wandel Vogelsangs seit über 60 Jahren zeigen. „Kunst kann seinen Teil beitragen. Die Studenten fanden alle ihren eigenen Weg, sich diesen Ort zu erschließen.“ Das Zustandekommen dieser Intervention war „fast ein Unfall“, wie es Scher ausdrückte. Vor eineinhalb Jahren habe ihr am Hauptbahnhof ein Schaffner gesagt, in Vogelsang könne sie etwas über Deutschland lernen. Er habe sie für eine kalifornische Touristin gehalten. Der Besuch habe tiefen Eindruck hinterlassen: „Soll ich hinschauen oder nicht. Das war fast wie bei Pornografie.“ vogelsang ip dankte sie für die Offenheit, diese Intervention zuzulassen und Zugang zu den Räumen zu schaffen.

Weitere Objekte sind bis Sonntag, zwischen 10 und 18 Uhr zu sehen. Diese sind „Virtual Vogelsang“ von Theresa Krause, „Walls & Lines“ von Franziska Windisch, „Ortscheit“ von Florian Egermann, „not kosovo“ von Artur Holling, „1944“ von Daniel Ansorge, „Junker Schlaf“ von Nicolas Pelzer, „seelenraub“ von Evamaria Schaller, „Living in High Definition“ von Peter Beyer. Die artist tour „ruiniert in transit 2“ ab Köln von Aino Korvensyrjä war umgehend nach Veröffentlichung des Termins ausgebucht. „Wir hätten drei weitere Busse füllen können“, bemerkte Juliane Kuhn, Pressesprecherin der KHM.

Hier können Sie das Programm herunterladen: Timetable-Vogelsang Intervention 2009.pdf

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2009-10-16_PM-vogelsang-ip_Intervention-Rundgang.pdf

Pressekontakt
Björn Troll Pressesprecher, vogelsang ip gemeinnützige GmbH
cel: +49 (0) 172 - 58 96 146
E-Mail: bjoern.troll@vogelsang-ip.de

Dr. Juliane Kuhn, Pressesprecherin, Kunsthochschule für Medien Köln
fon:  +49 (0) 221 21089-135
E-Mail: juliane.kuhn@khm.de

Autor: Björn Troll